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Geschrieben von: Andreas Feismann   
Sonntag, den 31. Oktober 2010 um 00:00 Uhr

In den letzten Jahren ist die Zahl der installierten Photovoltaikanlagen stetig gestiegen. Den wenigsten Betreibern dürfte allerdings bewusst sein, dass diese im Brandfall eine besondere Gefahrenquelle für Feuerwehrleute darstellen. Dabei wird das Thema nicht nur in Fachkreisen diskutiert. Auch Medien, wie Focus und Panorama, nahmen schon Fälle, wie den ines Rösrather Feuerwehrmannes, der einen Stromschlag erlitt, zum Anlass, das Problem zu thematisieren. Zwar geht von Solaranlagen nach übereinstimmender Einschätzung von Herstellern und Versicherern keine besondere Brandgefahr aus, wenn es aber im Gebäude brennt, können sie zu einer tödlichen Falle für die Feuerwehr werden.

Das Problem besteht darin, dass, anders als üblicher Haushaltsstrom, der Gleichstrom der Solarmodule nicht einfach über eine Zentralsicherung abgestellt werden kann, da Solarzellen Strom produzieren, sobald Licht darauf fällt - und das mit einer Leistung von meist mehreren hundert Volt. Damit besteht die Gefahr von Stromschlägen, die bereits ab 120 Volt lebensgefährlich sein können. Neuere Anlagen müssen zwar gemäß VDE 0100-7-712 mit einer Gleichstrom-Freischaltstelle (DC-Schalter) vor dem Wechselrichter ausgestattet sein, aber der Wechselrichter ist häufig im Keller installiert, so dass auch nach dem Ausschalten die Solarmodule selbst und die Leitungen bis zum DC-Schalter noch unter Strom stehen. Um nicht nur den Bereich zwischen Wechselrichter und Hausanschluss sicher zu machen, wären eigentlich Notausschalter direkt an den Modulen nötig, die im Brandfall auch noch sicher und zentral bedient werden könnten. Solche Schalter konnten aber bisher bei akzeptablen Preisen nicht bis zur Serienreife entwickelt werden. Die theoretische Alternative, die Anlage durch eine Abdeckung total zu verdunkeln und so abzuschalten, würde im Ernstfall an der technischen Umsetzung scheitern. Und Versuche, die Abschaltung durch Aufbringen einer dicken Löschschaumschicht zu bewirken, haben gezeigt, dass nach wenigen Minuten die ursprüngliche Stromleistung wieder erreicht wird.

Damit bleibt der Feuerwehr nur, ausreichende Sicherheitsabstände einzuhalten, auch wenn das die Löscharbeiten verlangsamt. Im Extremfall muss ohnehin das kontrollierte Abbrennen eines Gebäudes in Kauf genommen werden, wenn z.B. das Dach komplett mit Solarmodulen bedeckt ist und deshalb nicht von oben gelöscht werden kann, obwohl dies nötig wäre.

Trotz potentieller Gefahr durch eine Solaranlage werden sich Betreiber vermutlich immer darauf verlassen können, dass die Feuerwehr im Brandfall auch unter erschwerten Bedingungen versucht, das Feuer zu löschen. Anders verhält es sich, wenn sich DC-Schalter und Wechselrichter in einem überschwemmten Keller befinden. Dann verhindert die Gefahr von Lichtbögen und Stromschlägen in jedem Fall, dass die Retter aktiv werden können. Dieser Aspekt sollte zumindest in hochwassergefährdeten Gegenden bei der Planung einer Solaranlage beachtet werden.

Unabhängig von der Stromschlaggefahr bergen Solarmodule für Feuerwehren noch ein weiteres Risiko: Sie sind zumeist mit Aluminiumprofilen befestigt, die bereits bei 300° Celsius an statischer Sicherheit verlieren. Da bei Bränden schnell weit höhere Temperaturen erreicht werden, können sich die Module oder Teile davon lösen und zu gefährlichen Geschossen werden. Betreiber sollten zumindest durch die Beauftragung von seriösen und fachkundigen Unternehmen dafür sorgen, dass die Anlage sicher montiert ist, um das Absturz-Risiko nicht noch zu vergrößern.

Übrigens: Vielfach ist den Löschkräften gar nicht bewusst, dass sie es mit einer unter Strom stehenden Solaranlage zu tun haben könnten. Alle Betreiber, respektive Hausbesitzer mit PV-Anlage auf dem Dach, sollten deshalb an zentraler Stelle ein deutlich sichtbares Warnschild einschließlich Hinweisen zum Kabelverlauf anbringen.

Mit dem Thema „Gefahren von Photovoltaikanlagen“ wird sich die Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Harsewinkel in der nächsten Zeit mehr beschäftigen. Das Thema wird im Kreis der Feuerwehrkameraden schon diskutiert. Genaue Schulungen und Unterweisungen müssen in naher Zukunft durchgeführt werden.

Genaue einsatztaktische Maßnahmen werden nur mit den vorgeschriebenen Sicherheitsabständen bei elektrischen Anlagen festgelegt.

In einem Innenangriff bei einem Zimmerbrand mit starker Verrauchung (übliche Sichtweite unter 1 Meter) ist jedoch für die eingesetzten Feuerwehrkräfte sehr schwierig, zu erkennen, wo die unter Strom stehenden Leitungen verlegt worden sind und wo der Sicherheitsbereich ist.

Bei den öffentlichen Gebäuden, auf denen schon seit einiger Zeit die Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind, wurde die Überarbeitung und Ergänzung von den Einsatzplänen eingefordert. Jeder Betreiber einer baulichen Anlage ist verpflichtet, jede Änderung seiner baulichen Anlage in  die Einsatzpläne eintragen zu lassen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. Dieses ist bis heute nirgendwo passiert.

Für die privaten Haushalte werden keine Einsatzpläne nach bauordnungsrechtlichen Gesichtspunkten (BauONW) gefordert und somit ist der Feuerwehr nicht bekannt, ob eine Anlage  auf dem Dach ist, wo die Lage die Wechselrichter und wo die Lage der DC-Leitungen ist.

In den Einsatzleitfahrzeugen der einzelnen Löschzüge der freiwilligen Feuerwehr werden solche Einsatzpläne vorgehalten.

Für den Löscheinsatz und dem Kontakt mit einer Stromleitung (Gleichstrom) ist es schon entscheidend, ob die Spannung unter 120 Volt ist. Für den menschlichen Körper ist eine Spannung (Gleichspannung) von mehr als 120 Volt lebensgefährlich.

Zu dem Thema: „Aufgliederung und Aufstellung von Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet Harsewinkel“ liegen mir zurzeit keine Angaben vor. Das Anbringen einer Photovoltaikanlage ist nicht bauordnungsrechtlich geregelt und somit kann jeder Bürger ohne Baugenehmigung eine Anlage auf sein Hausdach aufbringen. Eine Beteiligung der Brandschutzdienstelle und Kenntnisgabe der örtl. Freiw. Feuerwehr wird nicht durchgeführt.

Quelle: Aus dem Infoschreiben des Stadtbrandmeisters Andreas Feismann vom 29. Juni 2009

Das WDR Fernsehen zeigte in der Sendung "markt" am Montag, den 13. September 2010, 21.00 - 21.45 Uhr eine Berichterstattung zum Thema. Das Video ist auf den Seiten des WDR weiterhin verfügbar.

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 02. April 2011 um 16:17 Uhr
 
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